PARETO ist mein Held.

Falls ihr euch jetzt fragt: „Wer zur Hölle ist PARETO?“, erklär ich es vorweg mal ganz kurz:

Der italienische Ingenieur, Ökonom und Soziologe Vilfredo Pareto fand seinerzeit heraus, dass ca. 20% der Bevölkerung ca. 80% des Bodens besitzen. (Dieses Verhältnis ist heute nicht mehr nicht mehr ganz aktuell, aber darum soll es heute nicht gehen.)
Relevant ist hier lediglich, dass sich aus dieser (ursprünglichen) Verteilung das Paretoprinzip ableitet:

Es besagt, dass sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20% erledigen lassen, sodass 80% aller Probleme gelöst werden.

Die eingesetzten Mittel können dabei vieles sein: Zeit, Geld, Arbeitsaufwand, Energie, die Anzahl von Arbeitskräften usw.

In der Wirtschaft, im Projekt- und Zeitmanagement findet dieses Prinzip sehr häufig Anwendung und ich selbst nutze es für mich auch gern privat, weil es mir mein Leben deutlich erleichtert. Dazu komme ich im Folgenden gleich.

Der Vollständigkeit möchte ich hier jedoch noch erwähnen, dass dieses 80:20- Verhältnis nicht in Stein gemeißelt ist, und dass natürlich in der Praxis auch völlig andere Verteilungen möglich sind.

Ich persönlich habe nun also im Prinzip alle meine Lebensbereiche „pareto-isiert“. Nicht unbedingt immer ganz bewusst, oft mehr durch Zufall, aber völlig egal, worum es geht: wenn ich darüber nachdenke, läuft bei mir so ziemlich alles nach 80/20 – und glaubt mir: damit lebt es sich hervorragend!

Mir hilft es, bei möglichst hohem Genuss auch noch zugleich ein möglichst gutes Gewissen zu haben – bedeutet also für mich persönlich: maximale Lebensqualität!

Hier einige Beispiele:

Essen: 
80% gesund (mindestens!), also möglichst viele unverarbeitete Lebensmittel: viel Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Salat, Saaten, Nüsse, Sprossen – und möglichst selbst frisch zubereitet.

…und dann halt ab und zu auch mal was nicht so Gesundes bewusst genießen: Kuchen, Schokolade, mal ein Fertiggericht oder so etwas – man neigt vielleicht manchmal zu allzu dogmatischem Verhalten (ich auch!), aber das kann uns auch so unter Druck setzen (und absolut nicht mehr gesellschaftsfähig machen), dass wir unserer Gesundheit dadurch MEHR schaden, als mal durch ne schnelle Fertigpizza.

Lieber hin und wieder ein bisschen „chillen“ und sich ne vegane Torte ballern – macht gleich doppelt so glücklich! – weil man sich etwas von Herzen gönnt und ansonsten trotzdem gesund lebt.

Garten: 
Hier gibt’s manchmal mehrere limitierende Faktoren, z.B. schlechtes Wetter oder die eigene Kraft. (Bei mir ist z.B. leider mal ganz urplötzlich komplett „die Luft raus“, und dann geht gar nichts mehr.)

Ich habe mir daher angewöhnt, JEDEN TAG, an dem ES GEHT, zumindest ein bisschen Gartenarbeit zu erledigen. Ob das nun Auspflanzen, Gießen, ein bisschen Unkraut jäten oder Büsche zuschneiden ist, ist egal. So, dass es halt immer halbwegs für mich passt. Mein Garten ist keinesfalls besonders gut gepflegt, das hat aber auch den Vorteil, dass er relativ „naturnah“ ist und sich somit Schmetterlinge, Bienen, Vögel und auch Eidechsen und Igel wohlfühlen.

Haushalt: 
Ich bin weder super-ordentlich (auch wenn ich es manchmal gerne wäre) noch super putz-affin. Das liegt nicht nur daran, dass ich all das nicht sonderlich GERN und auch nicht super GUT hinkriege, sondern in erster Linie auch an meinem allgemeinen Energiemangel, die häufige Tagesmüdigkeit bzw. die schnell eintretende Erschöpfung durch meine Erkrankung. Wenn ich also mal Fenster putzen muss, putze ich eben nur eins oder maximal zwei. Sie MÜSSEN NICHT alle auf einmal blitzeblank sein, und vor allem auch nicht jede Woche aufs Neue geputzt werden.

Im Hinterkopf behalte ich immer einen wichtigen Tipp aus meinem Lieblingsratgeber: Die eigene Toleranzschwelle erhöhen! Bei vielen Dingen reicht auch einfach mal „oberflächlich sauber“ statt „porentief rein“.
Ich definiere mich und meinen Selbstwert nicht über einen perfekt geführten Haushalt. Selbst wenn morgen das komplette Chaos ausbricht, bin ich immer noch derselbe Mensch.

Sport: 
Da es mir oft sehr schwerfällt mich beim Training auch mal ein bisschen zurückzunehmen, ich aber natürlich weiß und auch zu spüren bekomme, wie wichtig eine ausreichende Regeneration ist, trainiere ich nicht an festgelegten Tagen (wie z.B. Mo, Mi, Fr) –  sondern: Ich trainiere immer dann, WENN ES GEHT, und gebe dabei dann halt auch IMMER VOLLGAS, also 100%.

Wenn ich danach 1 Tag Pause brauche, mach ich 1 Tag Pause, wenn nicht, dann nicht – und wenn ich 2 oder sogar mal 3 Tage Pause brauche, dann nehm ich das auch so hin und zwinge mich nicht unnötig, weil das dann sowieso nichts bringt.

Hierbei geht es nicht um Motivation(!) sondern um nötige Regeneration. Das muss man dabei natürlich unterscheiden können: Hab ich nur keine Lust oder tatsächlich nicht die nötige Kraft, weil der Körper nicht ausreichend regeneriert ist?

Umweltschutz: 
Mir ist es ein ehrliches, persönliches Anliegen, unnötigen Müll zu vermeiden, beim Einkaufen möglichst auf Plastik zu verzichten… und ich achte auch sehr auf Mülltrennung und Recycling. Wir produzieren vergleichsweise wenig Müll, allerdings sind wir weit entfernt vom sogenannten „Zero Waste“.

Das ist z.B. ein Anspruch, dem ich selbst (zumindest zum aktuellen Zeitpunkt) nicht gerecht werden kann und es auch (noch) nicht möchte. Mir ist klar, dass ich hier bestimmt auch noch einiges rausholen könnte, allerdings zu einem so hohen Zeit- und Energieaufwand, dass es in keiner für mich akzeptablen Relation steht.

Ich wohne auf dem Land, der nächste Unverpackt-Laden befindet sich 20km weit weg in der Innenstadt mitten in der Fußgängerzone.

Auch Onlineshopping ist für mich ein wichtiger Faktor, auf den ich häufig zurückgreife, weil ich ansonsten jedesmal selbst in die Stadt fahren müsste.

Wenn ihr noch Verbesserungspotential seht, könnt ihr mir gerne hier eure Tipps schreiben, oder wenn ihr zuverlässig wisst, was nun wirklich um wieviel ökologischer ist: Selbst fahren oder sich Sachen nach Hause schicken lassen – lasst es mich gerne wissen!

Für den Moment ist mir jedenfalls eines klar: Onlineshopping spart mir definitiv mehrere Stunden Zeit und auch Kraft, die ich für viele andere (für mich wichtigere) Aktivitäten brauchen kann.

Nachhaltigkeit: 
…gehört auch mit ein bisschen zum vorherigen Punkt. – aber ein paar Aspekte möchte ich hier separat erwähnen:

Ich kaufe zum Beispiel zu einem großen Teil nur regional ein.
Ab und an, wenn es mir persönlich wichtig ist und gut tut, greife ich aber auch mal zu nicht regionalen Produkten.

Bei uns wandern keine Lebensmittel in den Müll, weil ich das durch bewusstes Einkaufen ganz einfach völlig problemlos vermeiden kann. Das ist absolut KEIN Aufwand für mich. Ebenso die vegane Ernährung ist kein Problem und wahrscheinlich mit das Nachhaltigste, was man aktuell überhaupt machen kann.

Was Kleidung betrifft, muss ich sagen, dass ich das meiste tatsächlich NICHT second-hand kaufe, allerdings kaufe ich mir sehr selten neue Kleidung, weil ich einfach schon genug Kleidung besitze und nur selten etwas kaputt geht.

Wir nutzen Ökostrom, heizen mit Wärmepumpe, nutzen (überwiegend eigenen) Solarstrom, Regenwasser für Gartenbewässerung und die Toilettenspülung, verreisen selten (fast nie) mit dem Flugzeug – aber klar: wir sind keinesfalls „perfekt“.

Und diese Freiheit in manchen Entscheidungen nehme ich mir dann auch mit einem reinen Gewissen.

Schreibkram: 
Dazu zählt bei mir die Ablage meiner Dokumente, sowie auch der meines Mannes und der meiner Eltern, das Schreiben von Briefen, Ausfüllen wichtiger Formulare und Anträge, Versicherungen im Überblick behalten, Überprüfung der Kreditkartenabrechnung, Finanzstatus im Auge behalten, Rechnungen bezahlen und so weiter.

Hier bin ich EIGENTLICH ein 100% – Typ! – Weil mir das

  • einfach liegt und 
  • ich es wirklich genieße, nie was suchen zu müssen oder Angst haben zu müssen, dass ich aus Versehen was wichtiges weggeworfen hätte.

ABER: ich lege nicht jeden Brief, jedes Dokument etc. SOFORT in den richtigen Ordner ab, wenn es mit der Post kommt, sondern ich werfe alles auf einen Haufen, bis ich mal alle paar Wochen (je nach eingeganger Menge) mal wieder einen „Ablage-Tag“ mache. Das dauert dann auch nicht unendlich lange (vielleicht so 20 Minuten), und alles ist wieder da, wo es hingehört. Diese einfache Ordnung erleichtert natürlich dann auch das Zusammensuchen der Unterlagen für die Steuer.

E-Mail-Postfach: 
Hier halte ich mich seit neuestem an den „Zero Inbox“– Tipp von Ernst Neumeister.

Wo ich persönlich jetzt nicht so mitziehe, das ist dieser Minimalismus-Trend.
Das wird mir ehrlich gesagt ein bisschen übertrieben und geht bei vielen in die völlig falsche Richtung. 

Minimalismus ist gewiss nichts Schlechtes, versteht mich bitte nicht falsch, aber ich sehe das Thema etwas zwiegespalten – vielleicht gibt es dazu in Kürze auch mal einen separaten Beitrag. Zum heutigen Thema passt es irgendwie nicht so ganz in meinen Augen.

So, das waren jetzt nun doch eine ganze Menge an persönlichen Beispielen!

Mich würde interessieren, wie ihr das bei euch zuhause handhabt? Neigt ihr vielleicht (wie ich) ein bisschen zum Perfektionismus? Könnt ihr euch vorstellen, eure Toleranzschwelle mal versuchsweise zu erhöhen? Könnt ihr bei euch selbst noch etwas pareto-isieren?

Habt ihr noch weitere Tipps für mich, oder auch für andere Leser für einen noch nachhaltigeren Lebensstil oder auch einen entspannteren Alltag? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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