Die Schattenseite des „Andersseins“

Ist zwanghaftes Anderssein eine spezielle Form des Egoismus? Hmm. Vielleicht…

Kennt ihr selbst auch solche Menschen?

Sie möchten gern so ne „ganz besondere Schneeflocke“ sein, und daher rebellieren sie gegen absolut jeden Gedanken, über den sich eine geschlossene Gesellschaft über Jahrzehnte und Jahrhunderte geeinigt hat.

Bitte nicht falsch verstehen! Natürlich stellen wir immer mal wieder fest, dass die ein oder andere Sache von Zeit zu Zeit geändert, angepasst oder verbessert werden muss.
Sowohl im kleinen privaten Umfeld wie auch in unserer Gesellschaft allgemein und – nicht zuletzt in der Politik (ob regional oder global) sowie in der Gesetzgebung.

Hier ist es durchaus sinnvoll, nicht in allzu starre Gewohnheiten zu verfallen, um alte Strukturen auch mal neu überdenken und ggf. auflösen zu können.

Auch dass jeder Mensch ein Individuum ist und als solches behandelt werden möchte, liegt auf der Hand. Dass wir alle nicht gleich, sondern unterschiedlich sind, ist eine tolle Sache und macht das Leben bunter.

Aber das ist hier nicht das Thema! Sondern folgendes:

» Ich bin gegen jede Form von Konsum, ich bin Minimalist, ich brauche keine Küche und kein Bett, ich bin ich selbst, ich weiß alles besser, ich bin ein strahlendes Vorbild für euch und weise euch den Weg.

Unsere Politik, das Beamtenwesen, die böse Schulmedizin, unser Bildungssystem – ist alles Mist, ich rebelliere jetzt und befreie mich von den Fesseln der furchtbaren Gesellschaft (und im stillen Nebensatz „lebe ab jetzt auf Kosten dieser Gesellschaft, weil Arbeit Ausbeutung ist“).

Ich will NICHT DIES, NICHT DAS – so bin ich nicht! Ich bin ANDERS! «

Solch ein Verhalten und solche Gedanken kennt garantiert JEDER -zumindest ein bisschen- von sich selbst…. aus seiner Pubertät!
Aber Teenager wachsen aus so einer Phase im Normalfall von ganz alleine wieder raus.

Und so eine Identitätskrise ist in dem Alter sogar immens wichtig und sinnvoll, weil sie uns bei der eigenen Selbstfindung hilft und uns eine stärkere Identität entwickeln lässt.
Oftmals kommt es später im Leben, weil wir uns vielleicht unsere Jugend zurückwünschen oder aus anderen Gründen, noch einmal zu solch einer Krise (Midlife Crisis), die es dann mutig zu überstehen gilt.
Auch gewisse Ausnahmesituationen können uns in so eine Sinnkrise stürzen. Das trifft aber auf die meisten Menschen eher nicht zu.

Woran mag es dann also liegen, dass ein paar Auserwählte – mit teils auch sehr provokanten Aktionen – immer wieder auf sich aufmerksam machen wollen oder sich mit lautem Trara von der Gesellschaft einfach am liebsten komplett abgrenzen wollen?

Man findet mit so einem Verhalten nicht zu seinem Ich – sondern immer nur zu einem „Nicht-Ich“. Man findet also letztendlich nur, wer bzw. was man NICHT sein will!!!

Was daraus folgt (oder hier sogar zugrunde liegt) könnte eine schwere Identitätskrise sein, also, wenn man nicht in der Lage ist, selbstbewusst für sich zu definieren, wer man ist und was einen ausmacht.

Es folgt eine Flucht in viele „andere“ Identitäten, nur um sich nicht mit der eigenen Person auseinandersetzten zu müssen, weil man vielleicht Angst vor Ablehnung hat, Angst vor den eigenen Unzulänglichkeiten, Enttäuschungen oder fehlenden Fähigkeiten.

Das soll hier jetzt keine Beleidigung sein, und ich bin selbst auch kein Psychologe, ich spreche hier nur von Beobachtungen und liefere hier nur einen ErklärungsVERSUCH. – Ihr dürft gerne in den Kommentaren mitdiskutieren und eure Meinung dazu abgeben!

Es bilden sich Strömungen, die man (wie auch bei den meisten Sekten) möglicherweise auf kognitive Probleme, persönliche Unsicherheit und/oder einen schwachen bzw. labilen Charakter zurückführen kann.

Hat man dann mal eine Gruppe gefunden (oder gegründet), mit der man sich zumindest halbwegs identifizieren kann, fühlt man sich bis zu einem gewissen Grad endlich wieder wohl in „seiner Haut“, weil durch gegenseitiges Loben und Bestärken der eigenen „Andersartigkeit“ eine Art Überlegenheitsgefühl gestärkt wird.
Man fühlt sich moralisch erhaben, vielleicht erleuchtet und unter Gleichgesinnten stets angenommen „so wie man ist“.
(Kritik wird in solchen Kreisen meist nicht geäußert, weil die meisten damit sowieso nicht umgehen können.)

Wozu führt das ganze?
– Man hört irgendwann auf, sich mit Menschen zu umgeben und zu befassen, welche nicht dem eigenen Idealbild entsprechen, man entflieht möglichen Beurteilungen von außen und der Bezug zur Realität geht flöten.

Man lebt seinen Traum von einer Jeder-liebt-jeden-Kommune, in der keiner jemals eine Meinung äußert, die einem persönlich nicht schmeckt, und in der jeder jedem den Allerwertesten pudert.
Und in diesem Beitrag habe ich ja bereits erwähnt, warum ich denke, dass man ohne Kritik nicht in seiner Persönlichkeit reifen kann.

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